Frankreich will weg von Windows: Was hinter der Linux-Strategie wirklich steckt
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Was Frankreich offiziell beschlossen hat
Die offizielle Mitteilung der französischen Regierung ist recht eindeutig: Die DINUM koordiniert einen interministeriellen Plan zur Reduzierung sogenannter „extra-europäischer“ digitaler Abhängigkeiten. Dabei geht es nicht nur um Betriebssysteme, sondern auch um Arbeitsplatzumgebungen, Kollaborationstools, Antivirus-Lösungen, künstliche Intelligenz, Datenbanken, Virtualisierung und Netzwerktechnik. Zudem müssen die Ministerien einschließlich ihrer nachgeordneten Einrichtungen bis Herbst 2026 jeweils einen eigenen Plan vorlegen.
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Es geht nicht nur um Linux
Das ist für die Einordnung entscheidend. Frankreich entscheidet aktuell nicht einfach nur zwischen Windows und Linux. Vielmehr verfolgt der Staat eine umfassendere Strategie, mit der zentrale IT-Abhängigkeiten überprüft und möglichst durch souveränere Alternativen ersetzt werden sollen. Linux ist dabei ein sichtbarer Baustein, aber eben nicht das einzige Thema.
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Wie viele Arbeitsplätze werden wirklich auf Linux umgestellt?
Der derzeit konkret fassbare Linux-Wechsel betrifft nach aktuellem Stand vor allem die DINUM selbst. Das französische Fachmedium Les Numériques ordnet den tatsächlichen Umfang mit rund 200 bis 250 Arbeitsplätzen ein. Genau diese Größenordnung ist aktuell wichtig, wenn man seriös über den Linux-Rollout in Frankreich berichten will.
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Warum die Zahl von 200 bis 250 Arbeitsplätzen so wichtig ist
Diese Zahl macht den Unterschied zwischen nüchterner Einordnung und überzogenen Schlagzeilen aus. Denn sie zeigt, dass Frankreich zwar einen politischen und technischen Richtungswechsel anstößt, aber eben noch keine sofortige Massenmigration der kompletten Staatsverwaltung beschlossen hat. Wer derzeit von einer kompletten Linux-Umstellung aller französischen Behörden spricht, greift nach heutigem Kenntnisstand zu weit.
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Müssen jetzt auch die Ministerien umstellen?
Die Ministerien müssen nach heutigem Stand vor allem eine Alternative oder eine Umstellungsstrategie erarbeiten. Genau das verlangt die offizielle Mitteilung: Jedes Ministerium und die angeschlossenen Einrichtungen sollen darlegen, wie sie ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern reduzieren wollen. Das bedeutet nicht automatisch, dass überall kurzfristig Linux eingeführt wird. Möglich sind je nach Bereich auch andere technische oder organisatorische Lösungen.
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Was bis Herbst 2026 passieren soll
Bis Herbst 2026 sollen diese Pläne vorliegen. Erst dann wird sich genauer ablesen lassen, welche Behörden auf welche Lösungen setzen, wo Linux tatsächlich eine größere Rolle spielt und in welchen Bereichen andere souveräne Werkzeuge bevorzugt werden. Die aktuelle Entwicklung ist also eher der Startpunkt eines größeren Transformationsprozesses als eine bereits abgeschlossene IT-Massenmigration.
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Sind 2,5 Millionen oder 2,6 Millionen Staatsbedienstete betroffen?
Hier muss man sauber formulieren. Laut dem offiziellen Bericht zum öffentlichen Dienst arbeiten rund 2,6 Millionen Beschäftigte in der französischen Staatsverwaltung, der sogenannten Fonction publique d’État (FPE). Diese Zahl beschreibt die Größenordnung der staatlichen Verwaltung insgesamt. Sie ist aber keine offiziell bestätigte Zahl für einen bereits beschlossenen Linux-Wechsel.
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Warum diese große Zahl trotzdem relevant ist
Die rund 2,6 Millionen Beschäftigten zeigen, wie groß der potenzielle Rahmen für künftige Veränderungen in Frankreichs Behörden-IT sein könnte. Sollte sich aus den Ministeriumsplänen in den kommenden Jahren eine breitere Umstellung ergeben, könnte langfristig ein erheblicher Teil der Staatsverwaltung betroffen sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber eine strategische Perspektive und keine bereits umgesetzte Linux-Migration in dieser Größenordnung.
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Woher kommt dann die Zahl von rund 2,5 Millionen?
Ein Teil der Verwirrung dürfte daher kommen, dass Frankreich parallel auch eigene Kollaborations- und Kommunikationslösungen ausbaut. Besonders bei der staatlichen Videokonferenzlösung Visio ist Frankreich deutlich konkreter: Die Regierung will diese Lösung bis 2027 in den Staatsdiensten verbreiten. Offiziell ist von 40.000 regelmäßigen Nutzern und einem laufenden Rollout auf 200.000 Agenten die Rede. Solche Programme werden in Berichten dann teilweise mit der Gesamtgröße der Staatsverwaltung verknüpft, was schnell den Eindruck einer sofortigen Komplettumstellung erzeugt.
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Welches Linux wird verwendet?
Offiziell spricht die französische Regierung in ihrer aktuellen Mitteilung nur von Linux, ohne eine landesweit verbindliche Distribution zu nennen. Es gibt jedoch starke technische Hinweise aus dem DINUM-Umfeld: Das öffentliche Projekt Sécurix beschreibt sich als bei der DINUM entwickelt und genutzt und nennt NixOS als Basis. Das Projekt Bureautix zeigt zudem, wie sich daraus Büroarbeitsplätze aufbauen lassen. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine NixOS-basierte Richtung im DINUM-Umfeld, aber bislang keine offizielle Festlegung für die gesamte französische Verwaltung.
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Welches Office oder welche Bürosoftware kommt zum Einsatz?
Frankreich setzt beim digitalen Arbeitsplatz nicht nur auf einen klassischen 1:1-Ersatz für Microsoft Office, sondern auf eine breitere staatliche Plattform. Unter dem Namen LaSuite bündelt Frankreich mehrere eigene Werkzeuge für Kommunikation, Zusammenarbeit und Dokumentenarbeit. Laut offizieller Seite wird LaSuite monatlich von mehr als 500.000 Agenten in 15 Ministerien und zahlreichen weiteren Verwaltungen genutzt.
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LaSuite statt nur ein einzelnes Office-Paket
Dazu gehören unter anderem Werkzeuge wie Tchap für Messaging, Visio für Videokonferenzen sowie weitere Anwendungen für Dateien, Dokumente und Zusammenarbeit. Das zeigt deutlich: Frankreich denkt den digitalen Arbeitsplatz nicht nur als Austausch eines Betriebssystems, sondern als umfassendere souveräne Arbeitsumgebung.
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Fazit
Frankreich steigt aktuell nicht mit 2,5 Millionen oder 2,6 Millionen Behörden-Arbeitsplätzen auf Linux um. Realistisch und belastbar belegt ist derzeit vor allem die Linux-Migration der DINUM mit rund 200 bis 250 Arbeitsplätzen. Gleichzeitig müssen die Ministerien und ihre Einrichtungen bis Herbst 2026 eigene Alternativen und Umstellungsstrategien entwickeln. Die Größenordnung der französischen Staatsverwaltung zeigt zwar, wie groß die möglichen Folgen dieser Strategie langfristig sein könnten. Eine bereits beschlossene landesweite Linux-Massenmigration ist daraus bislang aber nicht geworden.
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Wie schätzt du die Entwicklung ein? Ist Frankreich Vorreiter für mehr digitale Souveränität in Europa oder bleibt der Linux-Schritt am Ende vor allem ein symbolischer Pilot mit Signalwirkung?
Quellen und Referenzen
- [Q1-1]
Französische Regierung / numerique.gouv.fr:
Souveraineté numérique : l’État accélère la réduction de ses dépendances extra-européennes
- [Q1-2]
Les Numériques:
La direction du numérique de l’État quitte Windows pour Linux et demande aux ministères de préparer leur plan
- [Q1-3]
Französische Regierung / fonction-publique.gouv.fr:
Rapport annuel sur l’état de la fonction publique – édition 2025
- [Q1-4]
Französische Regierung / numerique.gouv.fr:
Souveraineté numérique : l’État généralise « Visio », sa solution de visioconférence sécurisée et souveraine à destination des agents publics
- [Q1-5]
LaSuite / Französische Regierung:
LaSuite – Utilisé chaque mois par plus de 500 000 agents, dans 15 ministères et de nombreuses administrations
- [Q1-6]
GitHub / cloud-gouv:
Sécurix – developed and used at DINUM, based on NixOS
- [Q1-7]
GitHub / cloud-gouv:
Bureautix example – office workstation example derived from Sécurix

