Teil 4: Lizenzkosten sparen – neues Geld generieren
Ein wesentlicher Baustein meines Umstiegs auf Linux und freie Software war das bewusste reduzieren von laufenden Lizenzkosten. Gerade im professionellen Umfeld summieren sich Abonnements, Wartungsverträge und Einzellizenzen oft unbemerkt zu hohen Fixkosten. Mit der Entscheidung für Linux und FOSS habe ich begonnen, diese Kosten systematisch zu analysieren und schrittweise abzubauen. Dabei ging es mir nicht darum, Funktionen einzusparen, sondern nachhaltiger, unabhängiger und wirtschaftlicher zu arbeiten.

Der Wechsel erfolgte nicht radikal, sondern kontrolliert. Neue Programme habe ich zunächst parallel zu bestehenden Lösungen eingesetzt. So konnten Arbeitsabläufe weiterlaufen, während ich neue Software in Ruhe getestet und angepasst habe. Erst wenn eine Lösung stabil, praxistauglich und langfristig sinnvoll war, habe ich alte Abos beendet und Software entfernt. Dieser Ansatz hat sich bewährt, denn er vermeidet Brüche im Alltag und schafft Vertrauen in die neue Umgebung.
Ein besonders großer Hebel beim Sparen von Lizenzkosten liegt im Office-Bereich. Heute setze ich ausschließlich auf OnlyOffice, sowohl lokal als auch integriert in meine Nextcloud. OnlyOffice deckt alle klassischen Office-Anwendungen ab, darunter Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Die Bedienung ist klar strukturiert, modern und auch für Umsteiger leicht nachvollziehbar. Dokumente lassen sich lokal bearbeiten oder direkt in Nextcloud speichern und gemeinsam nutzen. Gerade diese enge Verzahnung von Office und Cloud hat meinen Workflow deutlich vereinfacht.
Ein großer Vorteil von OnlyOffice ist die volle Datenhoheit. Alle Dokumente bleiben auf dem eigenen Server oder im eigenen Netzwerk. Es gibt keine Abhängigkeit von externen Plattformen oder erzwungenen Online-Konten. Gleichzeitig ist kollaboratives Arbeiten problemlos möglich. Mehrere Personen können gleichzeitig an Dokumenten arbeiten, Kommentare hinterlassen und Änderungen nachvollziehen. Damit eignet sich OnlyOffice nicht nur für Einzelanwender, sondern auch für Teams und Unternehmen.
Für Notizen, Dokumentationen und Wissenssammlungen nutze ich Joplin in Verbindung mit einer eigenen Nextcloud. Joplin hat sich für mich als äußerst zuverlässiges Werkzeug für strukturierte Informationen erwiesen. Notizen lassen sich hierarchisch organisieren, verschlüsseln und mit Anhängen ergänzen. Durch die Synchronisation über die eigene Cloud stehen alle Inhalte jederzeit auf verschiedenen Geräten zur Verfügung. Gerade für technische Dokumentationen, Projektideen und langfristige Notizen ist diese Kombination ideal.
Im Bereich Bildbearbeitung setze ich auf Photopea. Das Tool läuft direkt im Browser und eignet sich hervorragend für schnelle Anpassungen, Grafiken und Bildbearbeitung im Alltag. Gerade für Webprojekte, Social-Media-Grafiken oder kleinere Layout-Arbeiten ist Photopea mehr als ausreichend. Da keine lokale Installation nötig ist, bleibt das System schlank und flexibel. Für mich zeigt sich hier deutlich, dass leistungsfähige Werkzeuge nicht zwangsläufig an teure Lizenzen gebunden sind.
Für die Videobearbeitung nutze ich Kdenlive. Dieses Werkzeug hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt und bietet heute einen Funktionsumfang,
der für Tutorials, Präsentationen, Produktvideos und Schulungsinhalte vollkommen ausreicht. Mehrspur-Timeline, Effekte, Übergänge und Audiobearbeitung sind integriert und gut nutzbar. Nach einer kurzen Einarbeitung lässt sich mit Kdenlive effizient arbeiten, ohne an Abo-Modelle gebunden zu sein.
Auch im Bereich Projektplanung habe ich meine Arbeitsweise angepasst. Statt komplexer, lizenzpflichtiger Lösungen setze ich auf offene Werkzeuge und klare Strukturen. Projektpläne, Aufgabenlisten und Zeitachsen lassen sich gut mit freien Projektmanagement-Tools abbilden. In Kombination mit OnlyOffice-Dokumenten und strukturierten Notizen in Joplin entsteht ein übersichtliches System, das ohne zusätzliche Kosten auskommt und dennoch professionell bleibt. Zu diesem Zeitpunkt der Umstellung habe ich noch ProjektLibre eingesetzt. Heute bin ich auf einer schlankeren Projektverwaltung und Aufgaben Verwaltung umgestiegen, in Verbindung mit Kunden Tickets. Diese Lösung ist Dolibarr als online Unternehmensportal in Verbindung mit OnlyOffice für Dokumenten Erstellung, Nextcloud und Samba Shares für die Speicherung von Daten. Aber dazu in einem späteren Post mehr. Zu diesem Zeitpunkt habe ich unter Windows die lokale Software ausgewechselt.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Fernwartung. Hier setze ich auf RustDesk. Dieses Werkzeug ermöglicht sichere Fernzugriffe, sowohl im lokalen Netzwerk als auch über das Internet. Besonders wichtig ist für mich die Möglichkeit, RustDesk mit eigener Server-Infrastruktur zu betreiben. Dadurch bleiben Verbindungen, Zugangsdaten und Sitzungsinformationen vollständig unter eigener Kontrolle. Für Support, Wartung und interne Hilfe ist das ein großer Vorteil.
Die Umstellung auf freie Software erfordert Zeit und Lernbereitschaft. Zur Einarbeitung nutze ich unterschiedliche Quellen. Dazu gehören Videos, Fachartikel, Dokumentationen und Online-Kurse. Auch ChatGPT ist inzwischen ein hilfreiches Werkzeug, um neue Programme kennenzulernen, Funktionen zu verstehen oder alternative Lösungswege zu finden. Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass solche Werkzeuge das eigene Denken nicht ersetzen. Jede Software muss selbst getestet und kritisch bewertet werden. Nur so zeigt sich, ob sie wirklich zum eigenen Arbeitsstil passt.
Ein interessanter Nebeneffekt der Umstellung war die finanzielle Seite. Durch gekündigte Abonnements, nicht mehr benötigte Lizenzen und den Wegfall laufender Kosten hat sich ein spürbarer finanzieller Spielraum ergeben. In einigen Fällen konnten sogar bestehende Lizenzen weiterverkauft werden. Das eingesparte Geld konnte gezielt in neue Hardware, Serverinfrastruktur oder Weiterbildung investiert werden. So wurde aus reiner Kostenreduktion tatsächlich neues Kapital.
Langfristig betrachtet sorgt dieser Ansatz für Planungssicherheit. Freie Software ist nicht an kurzfristige Preisänderungen, Lizenzmodelle oder Produktabkündigungen gebunden.
Updates erfolgen transparent, und viele Projekte werden von großen Communities getragen. Gerade in Kombination mit Linux entsteht so eine stabile, zukunftsfähige IT-Landschaft,
die sich flexibel an neue Anforderungen anpassen lässt.
Für mich steht heute fest, dass das Sparen von Lizenzkosten kein Verzicht ist, sondern ein Gewinn an Kontrolle, Transparenz und Unabhängigkeit. Linux und freie Software ermöglichen professionelle Arbeitsumgebungen, ohne laufende finanzielle Belastungen durch Abos oder proprietäre Zwänge. Dieser Weg erfordert anfänglich Zeit und Umdenken,
zahlt sich jedoch langfristig sowohl technisch als auch wirtschaftlich aus.
Der bewusste Umgang mit Software und Lizenzen hat meine Arbeitsweise nachhaltig verändert. Statt Software an Geschäftsmodelle anzupassen, passe ich heute die Werkzeuge an meine Anforderungen an. Genau darin liegt für mich der größte Mehrwert von Linux und FOSS: Technologie dient dem Anwender – nicht umgekehrt.

